Prof. Dr. Wierlacher
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Essen und Lebensqualität
Natur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven

Herausgegeben von Gerhard Neumann, Alois Wierlacher und Rainer Wild.
Frankfurt: Campus. 2001, 338 Seiten

Der Band versammelt die Beiträge des vom Internationalen Arbeitskreis für Kulturforschung des Essens veranstalteten Kongresses, der vom 23.-26. März 2000 mit 20 Referenten und rund 120 Gästen in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften stattfand. Uwe Spiekermann berichtet in Kulturthema Kommunikation ( S. 392):

Die Veranstaltung wurde umrahmt von einer Objekt-Ausstellung, in der die Design-Sammlung Bauer Bestecke verschiedener Epochen präsentierte. Nicht vergessen wurde die Praxis des Essens; mit einem Menü im Heidelberger Schloss wurde die Tagung stilvoll umrahmt. Für die Zielsetzung einer interdisziplinären Essensforschung war es von Belang, sowohl gehaltvolle Beiträge zur Ernährung oder zur Theorie des Essens als auch Überlegungen zu hören und zu diskutieren, wie die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Wissenschaftskulturen in Gang gesetzt werden könnte; Alois Wierlacher hatte sich in einem Grundsatzreferat zu diesem zweiten Aufgabenteil der Tagung geäußert. Die Tagungspraxis bestätigte die aufgezeigten Probleme und Schwierigkeiten in einem teils überraschenden Ausmaß, das auf der abschließenden Podiumsdiskussion auch klar benannt wurde. Als zentrales Problem des interdisziplinären Dialoges erwiesen sich die unterschiedlichen Wissenschaftskulturen und hier vor allem ihre Normsysteme und deren Toleranz gegenüber Abweichungen. Wie sehr die beiden Welten durchaus im Sinne Snows getrennt sind, machte nicht zuletzt die Präsentation der Überlegungen erkennbar: alle Referenten aus dem Bereich der Naturwissenschaften hielten einen Folienvortrag, der in schnörkelloser Beantwortung einiger Grundfragen klare, aber oft zugleich vereinfachte Argumentationsstrukturen und Thesen, manchen Kulturwissenschaftler irritierten, die ihrerseits fast durchgängig ohne Folienverwendung sprachen. Den Naturwissenschaftlern wiederum erschien der klassische Vortrag als Anachronismus. Diese Differenz erfahren und als Aufgabe erkannt zu haben, war ein wichtiges praktisches Ergebnis des Symposiums - und ein Garant für eine sinnvolle und zielgerichtete Kommunikation über Disziplingrenzen hinweg: Interdisziplinäre Kommunikation als Basis einer interdisziplinären Wissenschaft des Essens.

Das nächste Symposium weist mit dem gewählten Thema "Sinn der Sinne" ein gehaltvolles Brückenthema auf, zu dem Natur- und Kulturwissenschaftler gleichermaßen beitragen müssen, um es angemessen mit Inhalt zu erfüllen. Neben den großen Tagungen werden kleinere treten, die stärker aktuelle Themen unserer Zeit, unserer Gesellschaft aufgreifen; denn wir sollten nicht übersehen, dass es sich bei der beschriebenen Aktivität um eine der großen Ausnahmen in einer Wissen- und Wissenschaftslandschaft handelt, in der Interdisziplinarität und Kommunikation zwar Leitvokabeln bilden, in der deren Realgehalt aber immer noch gering ist. Die hier vorgestellten Ideen aufzugreifen und weiterzutragen ist eine Aufgabe, die vieler Mitstreiter und Förderer harrt - auch die der Leser dieses Beitrages.


13.08.2015