Prof. Dr. Wierlacher
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Internationaler Arbeitskreis
für Kulturforschung des Essens

1994 - 2014

Der Internationale Arbeitskreis für Kulturforschung des Essens wurde 1994 auf Initiative von Professor Dr. Alois Wierlacher unter Förderung durch die Adalbert Raps-Stiftung in Kulmbach ins Leben gerufen. Seit dem Jahr 2000 wird der Arbeitskreis exklusiv von der Dr. Rainer Wild-Stiftung getragen. Seine Ziele sind nach wie vor, die Schnittflächen zwischen Natur- und Kulturwissenschaften interdisziplinär zu erforschen, die Grenzen zwischen den Wissenschaften zugunsten einer Gesprächsgemeinschaft transparent zu machen und das öffentliche Interesse am Kulturthema Essen zu stärken.

In den vergangenen Jahren ist der Arbeitskreis ein kompetenter Ansprechpartner für Wissenschaft und Öffentlichkeit in Deutschland geworden. Seine Mitteilungen, zunächst von Professor Wierlacher zusammen mit seinen Hilfskräften erarbeitet, unter ihnen Dr. Tanja Kodisch, liegen inzwischen als Heft 16 / Dezember 2008 vor (ISSN 1437-5222).

Gegenwärtig arbeiten mehr als 60 kooptierte Wissenschaftler und Praktiker im Arbeitskreis zusammen. Bis 2006 wurde der Arbeitskreis von Prof. Dr. Alois Wierlacher zusammen mit  Prof. Dr. Gerhard Neumann und Prof. Dr. Rainer Wild geführt. Seitdem besteht der Vorstand aus der Stiftungsvertreterin Gesa Schönberger (Heidelberg),  der Ökotrophologin Prof. Dr. Angelika Ploeger (Kassel), dem Volkskundler PD Dr. Hirschfelder (Bonn)  und dem Ernährungspsychologen Prof. Dr. Volker Pudel (Göttingen).

Die Geschichte des Arbeitskreises hat Ursula Wiedenmann in Essen und kulturelle Identität. Europäische Perspektiven. Herausgegeben von Hans Jürgen Teuteberg, Gerhard Neumann und Alois Wierlacher. Berlin 1997, 5. 510-516 beschrieben. Im folgenden wird aus Alois Wierlacher (Hg.): Kulturthema Kommunikation. Möhnesee 2000 der Abschnitt Die Verlagerung des Arbeitskreises nach Heidelberg, die Verleihung des Dr. Rainer Wild-Preises und das Heidelberger Symposium "Essen und Lebensqualität. Natur- und Kulturwissenschaften im Gespräch" mitgeteilt, den Uwe Spiekermann verfasst hat.

 


Die Vision einer multidisziplinären und gegenwartsbezogenen Erforschung des Kulturphänomens und Kulturthemas Essens hatte von Beginn an die Aufmerksamkeit auch der Dr. Rainer Wild-Stiftung auf sich gezogen. Ihr ganzheitliches, ursprünglich auf naturwissenschaftlichem Denken gründendes Verständnis gesunder Ernährung verband sich zwanglos und harmonisch mit dem Ziel des Arbeitskreises, fächerübergreifende kultur- und naturwissenschaftliche Fragestellungen im interdisziplinären Erkenntnisprozess miteinander in Bezug zu bringen.
Als die Rosenthal AG und die Hutschenreuther AG ihr Engagement reduzieren mussten und die Raps-Stiftung eine weitere Förderung nicht mehr leisten durfte, da nach Ansicht der Stiftungsaufsicht ihre Satzung diese nicht decke, bot sich, nachdem auch die Universität Bayreuth kein Interesse zeigte, eine engere Kooperation direkt an. Sie wurde nach entsprechenden Beschlüssen des Institutsvorstands Ende 1996 vertraglich zwischen Prof. Dr. Rainer Wild und Prof. Dr. Alois Wierlacher vereinbart. Der Arbeitskreis erhielt eine neue Struktur mit den zunächst zwei Brennpunkten Bayreuth und Heidelberg. Um die Umstellungen zu erleichtern, wurden das IIK Bayreuth, die Dr. Rainer Wild-Stiftung und der Internationale Arbeitskreis für Kulturforschung des Essens personell eng miteinander verbunden. Prof. Dr. Rainer Wild trat in den Vorstand des Arbeitskreises und das Kuratorium des IIK Bayreuth ein, Prof. Dr. Alois Wierlacher wurde Kuratoriumsmitglied der Dr. Rainer Wild-Stiftung. Die Geschäftsstelle wurde von Bayreuth nach Heidelberg verlegt und die Dr. Rainer Wild-Stiftung verpflichtete sich, in Abständen von drei Jahren einen Kongress zu fördern und übernahm auch die Geschäftsstellenarbeit des Arbeitskreises, die dem Historiker Dr. Uwe Spiekermann und der Ernährungswissenschaftlerin Gesa Schönberger anvertraut wurde. Inzwischen hat das IIK sämtliche Verantwortlichkeiten an die Stiftung abgetreten; diese ist seit Beginn des Jahres 2000 alleiniger Träger des erwähnten Arbeitskreises.

Zur Fortschreibung des Mitteilungsheftes des Arbeitskreises, das bislang von Professor Wierlacher selbst zusammen mit seinen Hilfskräften in Eigenarbeit erstellt worden war, konnte zu deren Entlastung ein Redaktionsteam der Stiftung gebildet werden. Es wurde bewusst interdisziplinär besetzt und arbeitet sich nun im Kleinen an den Problemen ab, die unsere Wissenschaftskultur im Ganzen noch zu bewältigen hat, um die vielfältigen mit Essen und Ernährung verbundenen Aufgaben erfolgreich angehen zu können. Man denke nur an Fragen von Interkulturalität, von Migration, von den verschiedenen Symbolbedeutungen unseres Essens, unserer Speisen. Man denke auch an den immer größeren Zwang einer lebenslangen Bildung, die sich nicht mehr auf ein, zwei Disziplinen oder Fertigkeiten beschränken kann, sondern die auf konkrete Problemlösungsfähigkeiten zielen wird und so in ein lebenslanges Lernen in heterogenen Beireichen mündet. Das Kulturthema Essen kann wie kaum ein zweites die vielfältigen Einflüsse und Herausforderungen einer reflektierten Moderne bündeln helfen.
Einvernehmlich wurde zwischen den Partnern als Themenfeld der künftigen Tätigkeit des Arbeitskreises die Schnittfläche zwischen Kultur- und Naturwissenschaften des Essens vereinbart und für den nächsten Kongress die allgemein einsichtige, bisher wissenschaftlich aber kaum beleuchtete Beziehung von Essen und Lebensqualität zum Thema gemacht mit dem Ziel, das Problemfeld aus der Vielfalt unterschiedlicher wissenschaftlicher Blickwinkel zu erforschen und auf diese Weise Natur- und Kulturwissenschaften ins Gespräch zu bringen. Von den Kulturwissenschaften kommend treibt der Arbeitskreis damit Denk- und Arbeitsweisen voran, die etwa die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit ihrem Programmgruppe "Ernährungsforschung" von Seiten der Naturwissenschaften aus ebenfalls angeht.

Im Jahre 1997 dokumentierte die Stiftung ihre Hochschätzung der wissenschaftlichen und wissenschaftsorganisatorischen Pionierarbeit von Professor Wierlacher mit der Verleihung des Dr. Rainer Wild-Preises. Die Preisverleihung fand am 20. Februar 1997 in Heidelbergs guter Stube, dem vollbesetzten Prinz-Carl-Palais statt. Aus München war auch der Mitstreiter Professor Heinz Maier-Leibnitz zur Feierstunde gekommen und wurde herzlich begrüßt.
Die Preisverleihung diente nicht allein der Ehrung des Preisträgers, sondern zugleich der Würdigung des von ihm vertretenen Anliegens und der Tätigkeit des gesamten Arbeitskreises. Prof. Dr. Rainer Wild hob in seiner Begrüßung die Bereitschaft seiner Stiftung hervor, den Arbeitskreis auch mittel- und langfristig zu fördern und aktiv mit zu gestalten. Auch die Heidelberger Oberbürgermeisterin Beate Weber begrüßte die gewürdigten Leistung im Kontext gesellschaftspolitischen Handelns und drückte ihre Freude über die Aktivitäten des Preisträgers und des mit ihm geehrten Arbeitskreises aus.
Beide wurden von Dietrich Müller näher vorgestellt, der zugleich auch den Beitrag der oberfränkischen Partner für die bisherige Arbeit betonte. Die Preisrede auf Professor Wierlacher hielt dann das Lübecker Gründungsmitglied Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt. Er verwies auf die gemeinsame Zeit in Heidelberg, auf Professor Wierlachers in- und ausländische Stationen in seiner Karriere als Hochschullehrer und auf deren Bedeutung für die Konzeptualisierung einer interdisziplinären Kulturwissenschaft des Essens, konzentrierte sich aber die wissenschaftliche und organisatorische Leistung des Preisträgers, die er beredt zusammenfasste: "Für Herrn Wierlacher ist Essen in der Tat Natur und Kultur, Nahrungsaufnahme ist ebenso Umgang in der Sprache und im Verhalten, wesentliches Moment im politischen Handeln und im Kontakt der Völker, zentraler Gegenstand in den Künsten und der Literatur."
Der so Geehrte dankte mit einer feinsinnigen Dankesrede, die im Problemkontext und im biographischen Bezug verständlich machte, warum ein Wissenschaftler einen seiner Arbeitsschwerpunkt auch abseits der Themen des Mainstreams wählt. Professor Wierlacher wandte sich nach Jahren der Wissenschaftsplanung wieder einem von der Forschung übergangenen Detail der Kulturgeschichte des Essens in Deutschland zu; er tat es mittels einer Interpretation eines literarischen Textes, am Beispiel von Dietrich Krusches Roman Stimmen im Rücken, präziser, an dessen Darstellung des kulturellen Gedächtnisses der kulturellen Institution des Streuselkuchens, den er als "Freud- und Leidkuchen der Familie" in Deutschland explizierte. An diesem Beispiel zeigte er auf, wie hellsichtig die Literatur verdeutlicht, dass Lebensmittel Symbolträger sein können, Essen und Speisen unser Leben umgreifen, Gesundheit und Krankheit stiften, Verirrungen offenbar machen, Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden und Zukunftshorizonte konstituieren. Seine Rede ist, wie alle anderen auch, in Heft 3 des Mitteilungsheftes dokumentiert, auf das hier verwiesen werden darf.

16.08.2015